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Was machen wir eigentlich? ...

Beim Begriff 'Zughunde' wird wahrscheinlich jeder zunächst einmal Bilder von meist nordischen Hunderassen wie Huskies oder Samojeden vor seinem geistigen Auge sehen, die Hundeschlitten durch tief verschneite Landschaften ziehen. Vielleicht hatte der ein oder andere auch schon einmal die Gelegenheit, in unseren Breiten eine Schlittenhundveranstaltung - sollte der Schnee einmal nicht reichen, wird dabei dann mit vierrädrigen Wagen oder Rollern gefahren - zu besuchen und sich von der dort herrschenden Atmosphäre anstecken zu lassen.

Aber, es geht auch anders, vielleicht für den Zuschauer nicht ganz so spektakulär, dafür aber meist etwas ruhiger. Auch bei uns wurden seit dem Mittelalter bis weit hinein in das 20.Jahrhundert Hunde zum Ziehen von Lasten eingesetzt. Bei diesen Hunden handelte es sich meist um große, kräftige Hunde, die in der Lage waren, alleine oder zu zweit schwere Wagen zu ziehen.
Nachdem diese Zughunde fast in Vergessenheit geraden waren, finden sich in den letzten Jahren immer mehr Hundehalter, welche die Zughundearbeit als Hobby und Möglichkeit der artgerechten Beschäftigung mit dem Hund wieder aufgreifen.

 
Unsere Trainingsausrüstung:

    - "Doppellonge"
    - einachsiger Übungswagen, mit ein oder zwei Zugstangen
    - Bollerwagen
    - Sacco-Cart

... wie machen wir es ? ...

Im Gegensatz zu den in früheren Zeiten eingesetzten Zughunden, sehen wir in unseren Hunden kein Nutztier mehr, welches uns hilft den Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern der Hund hat die Funktion eines Kameraden, mit dem wir gemeinsam unsere Freizeit nutzen wollen. Dies bedeutet für unsere Zughundearbeit, dass wir selbstverständlich Zuggeschirre und -stangen benutzen, die der Anatomie des Hundes angepasst sind und von unseren Hunden keine Leistung abverlangen, die diese nicht freiwillig und freudig erbringen. Wir sind davon überzeugt, dass ein Hund nicht gezwungen werden kann, einen Wagen zu ziehen, und dass deshalb Trainingsmethoden notwendig sind, die Zwang durch positive Motivation ersetzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf einem behutsames 'Einfahren', dem Gewöhnen des Hundes an Zuggeschirr, -stange und Wagen.
Die einzelnen Trainingsblöcke, insbesondere für wenig erfahrene Hunde dauern bei uns nur wenige Minuten, da, obwohl die physische Belastung durch dieses Training eher gering ist, der Hund durch die ihm abverlangte Konzentration stark ermüdet.

Wir setzen im Rahmen unseres Trainings zur Zeit ausschließlich Pulkageschirre und die dazugehörigen Zugbügel ein. Diese Zugbügel haben den Vorteil, dass sie sehr leicht sind und der Hund auch ohne angehängten Wagen an Zugstange und Geschirr gewöhnt werden kann. Dadurch können die Hunde unbelastet durch das Gewicht und den Widerstand des Wagens behutsam an das 'Ziehen' herangeführt werden und beispielsweise auch die Kommandos "rechts", "links", "stop" und "zieh" erlernen.
Desweiteren bieten Zugbügel den Vorteil, dass bei Bremsmanövern oder auf abschüssigen Strecken der gezogene Wagen nicht auf den Hund auflaufen kann, was für die Hunde eine Verletzungsgefahr darstellen würde. Auch können die Hunde im Zugbügel besser kontrolliert werden und, beispielsweise in unwegsamen Gelände, kann der Hundeführer den Hund durch Ziehen am Bügel sogar bei der Zugarbeit unterstützen.

 

... und welche Hunde sind dazu geeignet?

Grundsätzlich können alle Hunde, die eine gewisse Größe haben, mit Zugbügeln geführt werden. Als Richtwert gilt für uns  eine Widerristhöhe von ca. 50 cm. Da es grundsätzlich günstiger ist, wenn die Ausbildung eines Hundes schon frühzeitig begonnen wird, können am Training selbst auch schon Junghunde ab einem Alter von neun Monaten teilnehmen. Selbstverständlich muss darauf geachtet werden die Belastung von jüngeren Hunden immer deren Entwicklungsstand anzupassen. Auch für Hunde mit HD (=Hüftgelenkdysplasie) ist Zughundearbeit grundsätzlich möglich, da durch das Ziehen die Muskulatur der Hinterhand gefördert wird. Bei Hunden mit HD oder anderen Skeletterkrankungen sollte aber in jedem Falle vorab ein Tierarzt konsultiert werden.

Auf einen Aspekt der Zughundearbeit sei abschließend noch hingewiesen: Spaziergänger, Kinder, Jogger, Radfahrer, darunter auch Menschen, die Hunden ansonsten eher ängstlich oder sogar ablehnend gegenüber stehen, reagieren meistens positiv und neugierig auf die Hundegespanne. Ein Grund dafür mag darin liegen, dass 'arbeitende' Hunde vor beispielsweise einem Bollerwagen eine für die Mitmenschen sichtbare Aufgabe erfüllen und daher eine größere Akzeptanz erfahren. In einem gesellschaftlichen Umfeld, in welchem die Hundehaltung nicht einfacher wird, sicherlich ein positiver Nebeneffekt.